Geschichte

Judo und Ju-Jutsu in Mendig - mehr als ein halbes Jahrhundert

Der Judo und Ju-Jutsu Club 1957 e.V. Mendig gehört mit seiner inzwischen über 50jährigen Vereinsgeschichte zu den traditionsreichsten Vereinen der Stadt Mendig. Begonnen hat alles mit der Sportart, die als erstes im Vereinsnamen geführt wird und die im Gründungsjahr nur sehr wenigen Mendiger Bürgern ein Begriff war: Judo. An einem Tag im Oktober 1957 taten sich fünf junge Mendiger, nämlich Heinz Junglas, Hermann Bous, Horst Müller, Herbert Geilen und Helmut Schlich, zusammen, um einen Verein zur Ausübung dieses Sports zu gründen.

Judo in Mendig - der sanfte Weg

Ins Leben gerufen worden war die Kampfsport Judo erst ca. fünfundsiebzig Jahre zuvor durch den japanischen Professor Jigoro Kano (1860 - 1938), der damit die relative Einseitigkeit der bis dahin praktizierten Schulen der Selbstverteidigungskunst Jiu- Jitsu durchbrach, indem er verschiedene Schulen zu einem eigenen Lehrsystem zusammenfasste. Diesem gab er den Namen "Judo", was wörtlich übersetzt "der sanfte Weg" bedeutet, ein treffender Name für ein Zweikampfsystem, das auf dem Prinzip des Siegens durch Nachgeben basiert. Ziel Kanos war es, ein System zu schaffen, mit dem der gesamte Körper gleichmäßig beansprucht wird, das von Menschen jeden Alters und Geschlechtes bis ins hohe Alter hinein ausgeübt werden kann, das durch Festlegung von eindeutigen Regeln einen fairen Wettkampfsport ermöglicht und neben der rein körperlichen Beanspruchung Raum zur Charakter- und Persönlichkeitsbildung bietet. Dabei wird durch zwei Grundsätze verhindert, dass der Kampf Mann gegen Mann oder Frau gegen Frau in einen simplen Kräftevergleich, unter Umständen mit erheblichem Verletzungsrisiko, ausartet: Jede Technik muss dem Prinzip der größtmöglichen Wirkung entsprechen, das heißt, dass nur so viel Kraft angewandt wird wie tatsächlich erforderlich ist; durch Zug oder Druck, Nachgeben oder Ausweichen wird eine angreifende Kraft verwandelt und der Gegner zu Fall gebracht. Das moralische Prinzip des gegenseitigen Helfens und Verstehens verdeutlicht, dass man Judo immer mit und nicht gegen einen Partner ausübt und nur in der Gemeinschaft Fortschritte machen kann.

Wie alles begann ...

Fasziniert von diesen Grundsätzen und der bis dahin nur aus Büchern und Zeitschriften bekannten Techniken suchte man nun in Mendig nach einem Trainer, den man schließlich in Heinz Mommers fand, einen aus der Aachener Gegend stammenden, in Niedermendig beschäftigten Zimmermann, der seit einigen Jahren Judo trainierte und bereits den 3. Kyu, also den grünen Gürtel, trug. Als erstes Mendiger Dojo diente die ehemalige Schlosserwerkstatt der Familie Gottschalk. Eine original Tatami war natürlich zum damaligen Zeitpunkt noch unerschwinglich. Deshalb behalf man sich mit einer aus Sackleinen genähten Mattenhülle, die zur Auspolsterung mit Stroh gefüllt wurde. Natürlich nicht unbedingt die optimalsten Bedingungen, um eine für die hiesige Gegend reichlich exotische Sportart populär zu machen, aber der Enthusiasmus unserer Vereinsgründer und ihrer Sportskameraden machte die ganzen Unannehmlichkeiten wohl wieder wett. So wuchs der Verein recht schnell auf dreißig Mitglieder an, man versuchte sich erstmals in Vergleichskämpfen gegen andere Vereine und wurde schließlich nach Rot Weiß Koblenz, dem Vfl Bad Kreuznach und dem JC Remagen als vierter Judoverein in den Landesverband Rheinland aufgenommen. Im Jahr 1958 wurde dann aus dem Judoclub Mendig eine Abteilung des SV Eintracht Mendig, eine erste richtige Judomatte wurde durch Klaus Schubach gestiftet und das Training in den Tanzsaal der Gaststätte "Deutsches Haus" verlegt. Hier wurde nun zweimal wöchentlich trainiert, und außerdem wurden regelmäßig Vorstandssitzungen unter der Leitung des 1. Vorsitzenden Hermann Bous abgehalten, der dabei durch Hans Vieth, Heinz Junglas und Herbert Geilen unterstützt wurde. Die Weichen für den weiteren Werdegang der Mendiger Judoka waren somit gestellt. Durch eifriges Training wurde der Wissensstand der Judoka beständig erweitert, und so konnte im Winter 1959 erstmals eine Gürtelprüfung in Mendig abgehalten werden. 1965 war es dann endlich so weit, dass man in Mendig die ersten Dan- Träger begrüßen konnte, als Heinz Junglas und Wolfgang Kaspar ihre Prüfungen für den schwarzen Gürtel erfolgreich ablegten. Auch die Zahl der Wettkampferfolge wuchs ständig an: Kirmesturniere wurden alljährlich zu Pfingsten und im Herbst ausgerichtet, das Pokalturnier "Blaues Band vom Laacher See" wurde ausgetragen (unter der Schirmherrschaft des japanischen Militärattachés in Bonn, Oberst Eizo Hori), erste ausländische Turniere in Luxemburg, Frankreich, Belgien und Holland konnten mit einigem Erfolg besucht werden und auch im näheren Umkreis ernteten die Mendiger Judoka Lorbeeren, u. a als Vizemeister der Rheinland Oberliga 1960, Rheinland Mannschaftsmeister 1963, Rheinland Vizemeister 1965. Alle Erfolge, insbesondere die Titel und Plazierungen der Einzelwettkämpfe hier aufzuzählen, würde mit Sicherheit den uns vorgegebenen Rahmen sprengen.

Auf eigenen Beinen ...

Das Jahr 1966 gehört wohl zu den Meilensteinen unserer Vereinsgeschichte: Unter der Federführung des Vorsitzenden Robert Heinen löste sich die Judoabteilung wieder vom SV Eintracht und versuchte sich ein zweites Mal in der Selbständigkeit. Und zum Stichwort Völkerverständigung: Auch die Zeichen der Zeit schlugen sich im Vereinsleben nieder, nachdem zunächst die Pfadfinder ihr Glück versucht hatten, im Zuge der deutsch- französischen Partnerschaft Kontakt zu finden, streckte nun auch der Judoclub Mendig seine Fühler in Richtung Yerres aus. Anläßlich der Herbstkirmes 66 wurde das erste Turnier gegen Yerres ausgetragen, ein großer Erfolg für alle Beteiligten und der Grundstock für eine enge Freundschaft, die bis heute andauert.

Das erste eigene Dojo ...

Ebenfalls in diesen Zeitraum fielen die ersten Überlegungen hinsichtlich des Plans, ein eigenes Dojo zu bauen, dieser Traum brauchte insgesamt fünf Jahre zur Realisierung, und schließlich konnte am 29. Mai 1971 Einweihung gefeiert werden. Die Errungenschaft einer eigenen Trainingshalle brachte sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich, so bedeutete unser Dojo damals wie heute einen großen Kostenfaktor, der nur durch die Unterstützung der Stadt Mendig bewältigt werden kann. Auf der anderen Seite wäre es jedoch für den Verein niemals möglich gewesen, einen derart aufwendigen Trainingsbetrieb ohne eine jederzeit frei verfügbare Halle einrichten zu können. Also werden wir auch weiterhin dafür Sorge tragen, dass unser Dojo in Schuss gehalten wird, auch wenn dafür so manche freie Stunde für Instandhaltungsarbeiten investiert werden muß !

Herzlich Willkommen Ju-Jutsu

Natürlich kann kein Verein über einen so langen Zeitraum immer nur auf der Sonnenseite stehen, und auch der Judo Club Mendig hat seine Höhen und Tiefen durchgemacht. Nach den Erfolgen der Anfangsjahre erlebte der Verein eine größere Krise nach personellen Veränderungen innerhalb der Mannschaft und des Vorstandes. Und die Konkurrenz schlief schließlich auch nicht, immer mehr Vereine bildeten sich in Mendigs Nachbarschaft und suchten ebenfalls nach Mitgliedern. Aber Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft, und somit bekamen auch andere Sportarten Gelegenheit dazu, ihren Einzug ins Vereinsrepertoire zu halten. So bildete sich zunächst eine Karateabteilung heran, die sich jedoch später vom Verein abspaltete. Der Grundgedanke einer Abteilung für Selbstverteidigung war damit aber noch nicht aus der Welt, stattdessen wandte man sich dem Ju-Jutsu zu. Schon in den Anfangstagen des Vereins wurde Jiu-Jitsu trainiert und in den Wettkampfpausen vorgeführt, und dieses Training wurde mehr und mehr ausgedehnt, sodass schließlich eine eigenständige Abteilung entstand. Deren Bedeutung wurde so groß, daß schließlich 1976 der Name unseres Vereins geändert wurde in Judo und Ju-Jutsu Club Mendig. Auch Ju-Jutsu ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, in welchem Maße eine Sportart einem ständigen Wandel unterworfen ist. Unsere Ju-Jutsu Gruppe fand sich zu dem Zweck zusammen, eine perfekte Selbstverteidigung gegen jede körperliche Bedrohung zu erlernen. Ju-Jutsu ist leicht erlernbar und vielseitig anwendbar, diese Sportart geht nicht vom Angriff, sondern von der Verteidigung aus und kombiniert Grundformen des Judo, Karate und Aikido. Jede dieser Verteidigungstechniken ist gegen mehrere Angriffsarten anwendbar. Durch diese Vielseitigkeit ist JuJutsu auch in verstärktem Maße für Frauen interessant, sodass der JJC Mendig bereits mehrere Male Kurse angeboten hat, die immer einen großen Anklang finden und in denen Frauen für ihre Selbstverteidigung ausgebildet wurden. Aber auch der Wettkampfaspekt hat in den letzten Jahren wieder an Bedeutung für das Ju-Jutsu gewonnen; heutzutage wird mit Safetys gekämpft, in einer Form des leichten Kontaktes muss der Ju-Jutsu Sportler in einer relativ kurzen Kampfzeit seinen Gegner mit Schlägen, Stößen, Wurftechniken, Hebeln oder Würgetechniken entweder nach Punkten besiegen oder zur Aufgabe zwingen. Die begeisterten Anhänger dieser Sportart betonen, daß durch die Vielfalt der erlaubten Techniken der Wettkampf realitätsnäher durchgeführt werden kann als im Judo. Somit findet auch dieser Zweig des Budo- Sports immer mehr Beachtung. Aber auch weniger kampflustige Sportler haben in der Zwischenzeit ihren Weg in den Judo und Ju-Jutsu Club Mendig gefunden. Zunächst als Aerobic- und später dann als Gymnastik- Gruppe trifft man sich regelmäßig jeden Dienstag im Dojo zu anspruchsvoller Gymnastik bei flotter Musik, und auch wenn diese Truppe nicht an Wettkämpfen teilnimmt, so ist sie doch über die Jahre hinweg zu einem festen Bestandteil des Vereins geworden.

Gemeinschaft verbindet uns

Eines ist allen Abteilungen gemeinsam: der Sinn für Kameradschaft und Mannschaftsgeist, denn ohne Gemeinsinn läuft das Unternehmen Verein nicht. Das verbindet den Judo Club Niedermendig von 1957 mit dem Judo und Ju-Jutsu Club Mendig von heute. Und nicht zu vergessen die ehrenamtliche Arbeit all der Vorsitzenden, Kassierer, Geschäftsführer, Beisitzer, Trainer und Betreuer in diesen fünfzig Jahren. Auch hier würden uns bei einer Aufrechnung der Stunden, die dem JJC Mendig gewidmet waren und noch werden, die Augen aufgehen. Ebenso wie bei den in den Wettkämpfen erfolgreichen Sportlern, deren Erfolge aufgrund der Kürze des Berichtes nicht namentlich aufgeführt werden können, müssen wir uns auch hier auf ein Dankeschön beschränken. Es sei aber jedem versichert, dass niemand vergessen wird, denn ohne diesen Einsatz wären 50 Jahre Vereinsgeschichte nicht geschrieben worden! Unser Verein heute An dieser Stelle ist es natürlich sehr gut möglich, ein wenig Statistik ins Spiel zu bringen. Um jetzt keinen unserer Leser mit Zahlen totzuschlagen, beschränken wir uns lediglich auf die Mitgliederanzahl: Demnach führt der Verein zur Zeit insgesamt ca. 280 Mitglieder in den sogenannten "aktiven" Abteilungen Judo, Ju-Jutsu und Breitensport sowie in der Abteilung der Inaktiven, denn viele unserere ehemaligen Kämpfer sind auch nach ihrem Ausscheiden aus der "Truppe" dem Verein treu geblieben . Rund die Hälfte der Mitglieder bilden die am stärksten vertretene Abteilung Judo, davon wiederum etwa ein Viertel Erwachsene und drei Viertel Jugendliche. Die Jugend ist also unser stärkstes Potential, und der JJC Mendig ist deswegen auch unter den Mendiger Vereinen einer derjenigen, die sich am stärksten in der Jugendarbeit engagieren. So wird zum Beispiel neben Training und Turnieren alljährlich in den Herbstferien eine Ferienfreizeit angeboten, zum Teil auch mit Aufenthalten im Ausland: Frankreich und Holland haben schon desöfteren das Ziel für unsere Reisen dargestellt, nicht zu vergessen die Fahrten nach Yerres, die schon zur Tradition des Vereins gehören. Gemeinsame Ausflüge werden ebenfalls regelmäßig unternommen, wie etwa als Schlachtenbummler zu Wettkämpfen der 2. Judo- Bundesliga nach Koblenz. Solche gemeinsamen Unternehmungen sind vor allem zum gegenseitigen Kennenlernen sehr wichtig, da sich die Jugendlichen auf mehrere Gruppen verteilen: Neben dem alljährlich im Frühjahr startendem Anfängerlehrgang gibt es noch zwei Jugendgruppen für fortgeschrittene Judoka in Mendig, eine Judogruppe in Rieden (Anfänger und Fortgeschrittene kombiniert) und je eine Gruppe für Fortgeschrittene und für Anfänger in Adenau. Auf einem anderen Gebiet klappt die Zusammenarbeit inzwischen sehr gut: Bereits zum wiederholten Male ist in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule ein Selbstverteidigungskurs für Frauen durchgeführt worden. Die jeweiligen Lehrgänge werden dann von den Trainern der JuJutsuabteilung im Dojo abgehalten. Die Aufgabe des JJC Mendig für die nächsten Jahre wird sein, alle diese Aktivitäten aufrechtzuerhalten und auszubauen.